Aktuelles     Galerie     Lebenskunst    Geschichten    Zitate     Inspiration    Kontakt
Der Watz    Kurzgeschichten    Nachdenkliches    Amüsantes     Käpt'n Blindeye
 
Habemus Paparatzam - Wir sind Papst (5/2005)

Meine Güte!

Was war das für ein Rummel. Jeder, der nichts besseres zu tun hatte, fuhr nach Rom, um die letzten Stunden des Heiligen Vaters auf dem Petersplatz live mitzuerleben. Dabei hatte man vor dem heimischen Fernseher nicht nur die bessere Sicht, sondern man hatte es auch deutlich bequemer.

 

 
   
Papst Johannes Paul II
bürgerlicher Name: Karol Wojtyla,
*18.03.1920 Polen, #02.04.2005 Vatikan
     

Aber darum geht es wahrlich nicht, wenn sich der "Stellvertreter Gottes auf Erden" anschickt, zu seinem himmlischen Vater heimzukehren. Ciao, Johannes Paul, möge deine Seele den immerwährenden Frieden finden, während täglich Scharen von Gläubigen an deinen sterblichen Überresten vorbei pilgern...

Das "öffentliche Sterben" von Johannes Paul II hat Aufsehen erregt. Viele Menschen wurden durch diesen Mann daran erinnert, dass alles vergänglich ist - und dass sogar der Papst krank wird und sterben muss. Oder sollte ich schreiben: sterben darf? Sicher haben viele, die pflegebedürftige Angehörige zu Hause haben, ihren ganz eigenen Bezug zu diesem Jahrtausendpapst. Ich selbst, das muss ich an dieser Stelle wiederholen, bin zwar formell katholisch getauft, habe aber niemals eine religiöse Erziehung genossen. Kirchen und ihre Vertreter waren mir immer irgendwie suspekt, ich erlebte die Riten und Bräuche, die Predigten und Gebote als starr und altmodisch. Meine Versuche, die Bibel zu lesen (und zu verstehen) scheiterten regelmäßig. Ich hatte bereits Probleme mit der Schöpfungsgeschichte und fühlte mich schon früh bei den Buddhisten und Philosophen erheblich wohler. So nahm ich als Vierzehnjährige den Papst Johannes Paul II lediglich einmal erstaunt im Fernsehen wahr - beim Skifahren. So wie mir muß es vielen ergangen sein. Johannes Paul II galt als Papst der Jugend. Und gleichzeitig hat er uns vor Augen geführt, wie das mit dem Altern sein kann. Die Institution Kirche hat an dieser Stelle allen anderen Arbeitgebern etwas voraus: sie schickt ihren Top-Manager nicht in den vorzeitigen Ruhestand. Und Johannes Paul II hat eindrucksvoll gezeigt, was ein alter, kranker Mann auf dieser Welt noch alles bewegen kann. Nun gut. Er war ja auch der Papst. Wahrscheinlich ist das was anderes...

So weit so gut. Der Papst ist tot - es wird einen neuen geben. Und schon passiert das Unfaßbare: in erstaunlich kurzer Zeit wird der Nachfolger gewählt. Das mit den Rauchsignalen ist einfach genial. Und was für eine Spannung, bis endlich die lang ersehnten Worte fallen: Habemus papam - Wir haben einen Papst. Und der heißt obendrein noch Ratzinger und ist Deutscher. In München läuten alle Kirchenglocken. Am nächsten Tag titelt Bild: "Wir sind Papst". Huch. Die Frauen auch?

Was folgt sind Aufzeichnungen von Kardinal Ratzinger auf allen Kanälen, Kommentare, Einschätzungen, Interviews bis zum Abwinken. Besonders nett fand ich den Kommentar eines Regensburger Passanten, der ins hingehaltene ZDF-Mikrofon sagte: "Naja, vielleicht wird mit dem neuen Papst das mit der Verhütung und diesen Dingen jetzt bald mal ein bißchen lockerer..."

Es ist schön, dass es Menschen gibt, die an Wunder glauben. Aber bei allem Zynismus, der durch meine Zeilen hindurch scheinen mag: ich glaube auch an Wunder. Wenn es Papst Benedikt XVI sein sollte, der sie vollbringt, habe ich nichts dagegen. Ich halte ihn für einen sehr klugen Mann, der in seine neue Rolle hinein wächst und vielleicht Dinge vollbringen wird, die ihm niemand vorher zugetraut hätte. Das Hoffnungspotential bei vielen Menschen ist groß, und viele nehmen diese Phase als Anstoß, sich inmitten der hektischen Betriebsamkeit auch (wieder) an spirituelle Dinge zu erinnern. Meine Sorge gilt dem christlichen Fundamentalismus, der über den großen Teich schon eine ganze Weile zu uns herüber schwappt. Spiritualität und Religion ist nicht unbedingt dasselbe. Viele verwechseln das. Ich hoffe darauf, dass sich Toleranz und Offenheit langfristig durchsetzen, und alle religiösen Menschen ihr Augenmerk auf die Gemeinsamkeiten der Religionen richten - auf das, was alle Menschen verbindet, egal ob sie einer Gemeinschaft angehören oder nicht.

Bis jetzt habe ich (noch) keines der vielen Bücher von Joseph Kardinal Ratzinger gelesen. Aber anlässlich dieses Kommentars habe ich mir Gedanken gemacht, welche ich am ehesten lesen würde, wenn der Stapel neben meinem Bett wieder kleiner wird. Und Sie?

 
 

Werte in Zeiten des Umbruchs

Ratzinger plädiert dafür, dass Glaube und Vernunft einander nicht ausschließ, sondern in einer Wechselwirkung zu einander stehen. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die gesellschaftliche und politische Wirklichkeit?

Sicher kein Buch einfach mal so für zwischendurch.

   
  Gott und die Welt
In einem Gespräch mit dem Journalisten Peter Seewald legt er Josef Ratzinger - Papst Benedikt XVI - seine Sicht von Kirche, Glauben und Welt dar.
     
  Aus meinem Leben

Es dürfte spannend zu lesen sein, wenn ein so hoher Würdenträger der Kirche nicht nur den Blick auf die Antriebskräfte in seinem Inneren frei gibt, sondern auch private Erlebnisse und Erfahrungen seiner Kindheit erzählt...
   
nach oben
home > Geschichten > Nachdenkliches
 

 

 

Über betrachtenswert | Impressum