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Ein
Plädoyer für intelligentes Fernsehen
| Das Problem ist
nicht das Fernsehen selbst, es ist die Art, wie wir damit
umgehen. Wer sich einseitig von Talkshows oder Zeichentrickfilmen
"ernährt", läuft tatsächlich Gefahr,
zu verblöden. Und wer glaubt, er könne aus Fernsehen
die Wahrheit erfahren, ist sicher auch auf dem Holzweg. Guter
Journalismus beleuchtet mehrere Perspektiven einer Angelegenheit.
Manchmal muss er provokant sein, um aufzurütteln Aber
Provokation und so genannter Enthüllungsjournalismus
haben manchmal auch etwas sehr Ambivalentes. |
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Bei uns heißt die Fernbedienung
scherzhaft "die Macht". Wer den Finger am Knöpfchen
hat, entscheidet darüber, was angeschaut wird. Ich kann mich
an meine Kindheit erinnern, in der es regelmässige Macht-Kämpfe
darum gab, welches Fernsehprogramm geschaut werden sollte. Und
damals gab es gerade mal fünf Programme zur Auswahl.
So scherzhaft wir diesen Ausdruck gebrauchen: die Fernbedienung
ist tatsächlich etwas sehr Machtvolles.
Fernsehen zwingt uns in die Zuschauer-Rolle.
Wir müssen passiv zuschauen und haben keine Möglichkeiten
einzugreifen, es sei denn wir schalten um oder aus. Wenn wir von
dieser Möglichkeit keine oder zu selten Gebrauch machen,
entsteht ein Gefühl von Machtlosigkeit. Gebannt verfolgen
wir schreckliche Nachrichten, lassen uns von einem Film fesseln.
Die Gefahr: wir verlieren jede Eigeninitiative. Passiv vor der
Glotze hocken ist für die meisten Menschen bequemer als aktive
Freizeitgestaltung. Und so verrinnt die Zeit. Unsere Lebenszeit.
Die Bundesbürger verbringen
am Tag durchschnittlich drei bis
vier Stunden vor der Glotze! Das ist VIEL Zeit.
Wenn Sie zu den Viel-Fernsehern
gehören, die gerne etwas weniger gucken würden, empfehlen
wir:
- Denken Sie darüber nach, was Fernsehen für Sie
bedeutet.
Welches Bedürfnis wird durch den Fernsehkonsum befriedigt?
Gibt es andere Tätigkeiten, die dieses Bedürfnis
vielleicht auch befriedigen könnten?
Wenn Sie beispielsweise fernsehen, um von einem anstrengenden
Arbeitstag abzuschalten: wie wäre es alternativ mit einem
kleinen Spaziergang um den Block? Einer Runde Joggen, Schwimmen?
Mit einer schönen CD und einem Buch oder einer schönen
Zeitschrift? Mit einem genußvollen heißen Bad,
einer Tasse Tee mit einer Freundin?
- Schauen Sie Ihre Fernsehgewohnheiten genauer an. Was schauen
Sie am häufigsten/längsten? Nachrichtensendungen?
Filme? Soaps? Reportagen? Sport? Politische Magazine? Talk-Shows?
...
Welche Gefühle lösen diese Sendungen bei Ihnen aus?
Sind es angenehme, entspannende Gefühle? Fühlen
Sie sich durch das Programm motiviert, selbst etwas in Angriff
zu nehmen?
Oder fühlen Sie sich am Ende eines Fernseh-Abends müde
und ausgelaugt?
- Setzen Sie sich ein Zeitlimit, z.B. maximal zwei Stunden
am Tag
- wählen Sie die Sendungen bewusst aus, zappen Sie nicht
wahllos herum, sondern überlegen Sie sich vorher, nach
Lektüre der Fernsehzeitung, welche Sendung(en) für
Sie interessant sind
- Wählen Sie bewusst Sendungen aus, bei denen Sie einen
persönlichen Nutzen haben, bei denen Sie etwas dazu lernen
oder sich weiter entwickeln können. Wenn solche Programme
normalerweise nicht zu Ihrem Standard-Repertoire gehören:
bleiben Sie trotzdem eine Zeitlang dabei und verfolgen Sie
die Sendung aufmerksam. Was haben Sie erfahren, das Sie vorher
noch nicht wußten?
- Zeichnen Sie interessante Sendungen auf Video auf, um sie
in Ruhe anschauen zu können - und zwar dann wenn Sie
Zeit und Lust haben. So können Sie auch die lästigen
Werbepausen verkürzen
- Wenn Ihnen ein Film nicht gefällt, schalten Sie konsequent
ab.
- Schauen Sie gemeinsam mit anderen fern und unterhalten Sie
sich über das Gesehene. Wenn Sie alleine leben: laden
Sie Freunde ein. Vielleicht entpuppt sich das Fernsehen nach
dem gemeinsamen Abendessen zur Nebensache, weil sich schon
vorher gute Gespräche entwickelt haben.
- Nehmen Sie das, was Sie in der Glotze sehen, nicht zu ernst.
Es ist meistens nur die halbe Wahrheit - oder 100% Fiktion.
Für alle Menschen, die dem
Fernsehen schon abgeschworen haben: es gibt durchaus gute Sendungen.
Natürlich kann man darauf verzichten und so ein bißchen
Fernsehgebühren sparen. Ich hoffe aber sehr, dass uns die
öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten noch lange erhalten
bleiben mögen!
Wahre Freiheit ist, von der schönen
Erfindung "Fernsehen" Gebrauch machen zu können,
ohne ihr völlig zu verfallen.
Kinder
und Fernsehkonsum - eine kritische Betrachtung
Sendung
Delta auf 3sat / September 2005
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