| Open Space
Die
kontinuierliche Ausweitung des JETZT
Open
Space ist eine Konferenzmethode, die von der Selbstorganisation,
Entscheidungsfreiheit und Kreativität ihrer Teilnehmer getragen
wird: Eine Vorausplanung im Sinne einer festen Tagesordnung oder
Agenda gibt es nicht. Die Teilnehmer bestimmen selbst spontan, welchen
Fragestellungen sie sich widmen wollen. Lediglich das Motto bzw.
Rahmenthema steht fest, z.B. "Wie kann unsere Organisation besser
werden?"
Das
Motto muß
- viel
Spielraum für viele Ideen zulassen,
- so
komplex sein, daß es von einem Einzelnen nicht gelöst werden kann
- von
den Teilnehmern als dringend empfunden werden
Zu
Beginn der meist ein- bis dreitägigen Konferenz bestimmt der Moderator
(Open Space Begleiter) die im Kreis sitzenden Teilnehmer - das können
5 bis 1000 Personen sein - kurz auf das Rahmenthema ein. Er macht
sie mit dem Charakter der Konferenzmethode vertraut und schildert
die wenigen
Regeln
-
Jeder Teilnehmer, der ein Anliegen hat, das dem Motto der Konferenz
entspricht und ihm so sehr unter den Nägeln brennt, dass er es
mit anderen bearbeiten möchte, beruft einen Workshop ein
-
Wer will, kann mitarbeiten, wer sich nicht interessiert, bringt
sich in einen anderen Workshop ein.
-
Die Themen, Zeiten und Orte der Workshops hängen an einem Schwarzen
Brett aus, so daß jeder jederzeit informiert ist.
- In
den Kleingruppen werden Lösungsvorschläge und Ideen für die jeweiligen
Themenstellungen erarbeitet und Protokolle erstellt.
- Wer
merkt, daß er sich für das diskutierte Thema nicht (mehr) interessiert,
und nichts beitragen kann, wechselt den Workshop oder gönnt sich
eine Pause.
Weitere
Grundsätze:
-
Wer auch immer kommt - es sind die richtigen Leute
Es spielt keine Rolle, wie viele Personen in einen Workshop kommen
und welchen Status sie haben. Was zählt, ist die gemeinsame Leidenschaft
für das Thema. Denn sie ist wesentlich für die Qualität des Gesprächs.
-
Was auch immer geschieht - es ist das einzige, was geschehen kann
Es verläuft nicht immer alles so, wie man es erwartet, doch meist
sind die ungeplanten Dinge die kreativsten. Gerade das Unkonventionelle
erzeugt echte Lernerfahrungen , also heißt es, für Überraschungsmomente
offen zu sein.
- Es
fängt an, wenn die Zeit reif ist
Geistige Energie richtet sich nicht nach der Uhr - Unpünktlichkeit
ist erlaubt.
-
Vorbei ist vorbei
Wenn alles Wesentliche schneller besprochen ist, als ursprünglich
kalkuliert, lohnt es nicht, gemeinsam die verbliebene Zeit abzusitzen.
Zu Beginn und Ende des Workshops sammeln sich die Teilnehmer zum
Erfahrungsaustausch im Plenum. Bei dreitägigen Konferenzen erhält
jeder von ihnen am letzten Tag die vom Moderator kopierten und zusammengehefteten
Dokumentationen aus den Workshops. Gemeinsam identifizieren die
Teilnehmer daraus die zehn wichtigsten Themen, und Freiwillige erarbeiten
in zwei Stunden die ersten Schritte einer Umsetzung. Circa eine
Woche nach der Konferenz treffen sich die Initiatoren der Top-Ten-Workshops
mit den Leitern der Organisation und überlegen das weitere Vorgehen.
"Erfinder"
der Open Space Methode ist Harrison Owen. Das erste Experiment
dieser Art fand 1985 statt, die erste Konferenz mit echten Teilnehmern
1989. Open Space ist kein gesetzlich geschütztes Produkt. Jeder
der das Herz am rechten Fleck hat, und nicht ganz auf den Kopf gefallen
ist, kann die Methode anwenden. Sie funktioniert in jeder Situation,
mit jeder Gruppe und beliebig vielen Personen, weil die grundlegende
Dynamik, die sich entwickelt, immer die gleiche ist: jeder tut das,
wofür er/sie sich wirklich interessiert. Die Einzelheiten und Ergebnisse
können so verschieden sein wie Tag und Nacht - und hängen davon
ab, wer zu welchem Thema zusammenkommt. In allen Fällen erleben
die Teilnehmer ein hohes Maß an Energie, Synergie, Produktivität
und Spaß. Vor allem die Produktivität scheint enorm zuzunehmen.
Die Methode ist nur für einen bestimmten Menschentyp ungeeignet:
Kleingeister sollten besser die Finger davon lassen.
gekürzt
aus: ManagerSeminare
Heft 48 / Mai 2001
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