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Zeit ist Geld! ist ein Satz, den wir wie ein Mantra
herunterbeten. Aber stimmt das wirklich? Wenn Zeit wirklich Geld
wäre, müsste sich jeder Arbeitslose wie ein Millionär
fühlen. Stattdessen sind die meisten Menschen unglücklich:
die einen haben Zeit im Überfluss und wissen oft nicht, was
sie damit anfangen sollen, während die anderen Arbeit haben
- aber leider keine Zeit für Familie, Freunde oder Hobbies.
Woher stammt die Aussage "Zeit ist Geld"?
1748 riet Benjamin Franklin einem jungen Geschäftsmann: "Remember
that Time is Money". Seitdem sitzt uns dieses Sprichwort im
Nacken und treibt uns permanent an. Damit wir in immer kürzerer
Zeit immer mehr Leistung erzielen, unsere Zeit also optimal nutzen,
haben kluge Köpfe das "Zeitmanagement" erfunden.
Doch die bittere Erkenntnis nach vielen Jahren klassischen Zeitmanagements
ist: der Tag hat nur 24 Stunden. Und selbst wenn wir diese effizient
nutzen, stoßen wir an unsere Grenzen. Von Glücklich-Sein
ganz zu schweigen!
Wir erinnern uns an Michael Endes kleine Heldin Momo und
an die grauen Herren von der Zeitsparkasse, die uns einzureden versuchen,
dass wir Zeit sparen müssen. Seltsamerweise bleibt von der
gesparten Zeit nie etwas übrig.
Zeit kann man nicht sparen. Man kann sie nutzen.
Wer entscheidet über die Nutzung Ihrer Zeit?
Wir planen die Nutzung unserer Zeit mit immer ausgeklügelteren
Methoden: elektronisch vernetzte Kalender, in denen Chefs und Kollegen
genau sehen, wer wann wie viel Zeit hat. Ist die Lücke im Kalender
ausgemacht, gibt es sofort eine neue Terminanfrage. In manchen Firmen
hat der Gefragte immerhin die Chance, die Zustimmung zu verweigern
und einen Alternativvorschlag zu machen. Aber das ist leider nicht
überall so. Es gibt Strategen, die dienstbeflissen von einem
Termin zum nächsten eilen. Ihre Terminkalender sind dicht.
Oft bleibt nicht einmal genug Zeit, um zwischen zwei Terminen von
einem Besprechungsraum in den anderen zu gehen. Sie verspäten
sich permanent, bringen die sorgsam getakteten Zeitpläne ihrer
Gesprächspartner und Kollegen aus dem Gleichgewicht - und am
Ende des Tages fehlt allen die Zeit, um die Aufgaben und Informationen,
die sie aus ihren Besprechungen mitgebracht haben, zu verarbeiten
oder weiter zu geben. Am Ende stehen Überstunden ohne Ende,
schlechte Kommunikation, trotz endloser Besprechungen - und das
Zeitrad dreht sich immer schneller. Gebremst wird nur dann, wenn
sich jemand fast überschlagen hat: ein Beinbruch hier, ein
Unfall da.
Gewinnen Sie die Autonomie über Ihre Zeit zurück!
Gesundheitsbewusste Menschen rechnen uns gerne vor, um wie viele
Minuten der Rauch einer Zigarette oder der Genuss von Alkohol die
Lebenserwartung verkürzt.
Aber nur wenige stellen sich ernsthaft die Frage,
ob sie arbeiten um zu leben - oder mittlerweile nur noch leben,
um zu arbeiten.
Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes treibt diejenigen,
die Arbeit haben, so in die Enge, dass sie bereit sind, immer noch
mehr ihrer Lebenszeit zu opfern, nur um ein gesichertes Einkommen
zu haben. Die Sorge ist verständlich und berechtigt, doch mit
dieser Geisteshaltung wird die Negativspirale, in der wir uns derzeit
befinden, nur noch weiter angeheizt.
Geld allein macht nicht glücklich.
Was nützt alles Geld, wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt?
Wenn die Kinder nicht mehr wissen, wie der Vater aussieht,
weil sie ihn kaum noch zu Gesicht bekommen?
Wenn die Frau einen anderen hat und schließlich die Scheidung
einreicht?
Spätestens hier stellt sich die Frage nach dem SINN.
Viele stellen sich der Sinnfrage lieber nicht, stürzen sich
erst noch tiefer in die Arbeit, werden Workaholics oder greifen
zu anderen Suchtmitteln. Aber auch hier ist die Zeit unerbittlich.
Ab einem gewissen Alter ist man einfach nicht mehr gefragt. Was
nun?
weiter lesen: Der
wahre Wert der Zeit
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