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Zeitempfinden: Was bedeutet Multitemporalität?

Als Gott die Welt erschuf,
gab er den Afrikanern die Zeit
und den Europäern die Uhr
.

   -- unbekannt

 
 

Dieses Zitat eines Unbekannten verdeutlicht sehr schön, was man auch hinter dem Begriff "Multitemporalität" verbirgt: Das Empfinden für die Zeit und der Umgang mit ihr ist in verschiedenen Kulturen sehr unterschiedlich.

Kinder haben noch kein Gefühl dafür, wie lange eine Tätigkeit dauert. Sie gehen völlig in dem auf, was sie tun. Spätestens mit dem Schuleintritt beenden feste Stundenpläne die gefühlte Zeitlosigkeit.

Kulturelle Unterschiede

Werden Mitarbeiter europäischer oder amerikanischer Firmen nach Asien oder Afrika geschickt, kommt es fast immer zu Problemen, weil das Arbeitstempo sehr unterschiedlich ist, und die Verbindlichkeit von Terminen anders eingeschätzt wird. Um diese Unterschiede wahrzunehmen, muss man aber gar nicht so weit reisen. Selbst innerhalb von Europa gibt es diese Unterschiede. Das Arbeiten in Skandinavien wird beispielsweise von vielen Deutschen als erheblich "entspannter" bezeichnet.

Individuelle Unterschiede

Auch jeder Mensch hat sein eigenes Tempo. Manche Leute sind grundsätzlich schneller, andere eher "gemütlich". Die einen haben von Natur aus eine "schnelle Auffassungsgabe", bei anderen dauert es etwas länger, bis der "Groschen fällt".
Mit einem kleinen Experiment können Sie herausfinden, ob Ihre innere Uhr schneller oder langsamer tickt: Stellen Sie einen Wecker oder eine Eieruhr so ein, dass es nach fünf Minuten klingelt. Stellen Sie sich mental darauf ein, dass es fünf Minuten dauern wird, bis Sie das Signal erhalten. Schätzen Sie gefühlsmässig, wie lange es dauern wird, ohne noch einmal auf eine Uhr zu schauen. Nun bleiben Sie ruhig sitzen. Beobachten Sie Ihre Reaktionen. Werden Sie ungeduldig, nervös? Erwarten Sie das Signal früher?
Oder sind Sie überrascht, dass es schon so weit ist?

Wer vom Signal überrascht wird, dessen innere Uhr tickt eher langsam. Wer das Signal kaum erwarten kann, dessen innere Uhr ist schneller. Wenn Sie die Zeit genau richtig eingeschätzt haben: herzlichen Glückwunsch!

Erfolgsgeheimnis Multitemporalität

Wir können lernen, uns auf verschiedene Geschwindigkeiten bzw. Zeit-Situationen einzustellen. Man liest manchmal den Begriff "multitemporaler Mensch". Darunter versteht man Personen, die in der Lage sind, die verlangte Schnelligkeit und Konzentration aufzubringen. Solchen Menschen gelingt es aber auch, die notwendigen langsamen Phasen in ihren Alltag zu integrieren. Sie haben ein Gefühl dafür, wann sie am leistungsfähigsten sind und können diese Phasen gezielt nutzen. Sie leben weder ständig auf Hochtouren noch wählen sie ein Durchschnittstempo. Sie passen ihre Geschwindigkeit den Erfordernissen an - nicht nur den äußeren, sondern auch den inneren.

Auch wenn es schwierig oder gar unmöglich scheint: jeder Mensch kann diese Balance (wieder) finden. Grundvoraussetzung: Man muss es wollen und ggf. bereit sein, einige Veränderungen vorzunehmen.

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