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Innere Landschaften (1/3)
     

Unter dem Titel "Die Wildnis im Kopf" befaßt sich der Autor Thomas Saum-Adelhoff mit unserer Wahrnehmung von Natur und Landschaft. Hier einige Auszüge aus dem Artikel, der bereits im Juli 1993 in der Zeitschrift Psychologie heute erschienen ist, ergänzt durch eigene Gedanken. Meines Erachtens hat das Thema auch heute nichts an Aktualität verloren.

Natur als solche ist unsichtbar, wahrgenommen wird sie nur in ihren Darbietungen.

Lucius Burckhardt, Landschaftsplaner

Wie wir das, was wir sehen, erleben, liegt nicht in der Natur der Dinge, sondern hängt von uns selbst ab: von den Bildern, die wir im Kopf haben: imaginäre Landschafts-Prototypen. Der Tourist sucht nach der Bestätigung, dass eine Landschaft so aussieht, wie er sie sich vorstellt. Oft liegt der Genuß einer Landschaft nicht in der Landschaft selbst, sondern in der Wiederfindung dieser inneren Landschaftsbilder. Hat ein Tourist keine Hoffnung auf diesen "Wiedererkennungswert", wird die Umgebung für ihn reizlos.

Landschaftsgenuß ist demnach das Gefühl der Erfüllung, wenn wir jene Bilder wieder finden, die sich im Lauf unserer persönlichen Entwicklung und der Kulturgeschichte in uns aufgebaut haben. Das heißt: unsere inneren Bilder sind durch Dichtung und Malerei, aber auch durch Werbebilder, Kino, Fernsehen oder andere Medien "vorprogrammiert". Reiseveranstalter machen sich zudem geschichtliche und mythische Ereignisse zunutze. Schöne Landschaft allein ist nicht unbedingt ausschlaggebend. Orte und Landschaften können auch mit Bildern und Bedeutung angereichert werden: durch Literatur, Filme, Malerei, Sagen oder Gedichte entsteht ein Symbolgehalt, der einen Raum zu einem besonderen Ort macht, selbst wenn dieser nach neutralen Gesichtspunkten betrachtet, gar nicht so spektakulär ist. Die Bedeutung des Ortes wird zum Reiseziel (der Brocken im Harz, die Drehorte zum "Lord of the Rings" in Neuseeland etc.)

 
 
 
 
     
Dennoch scheint es einen davon unabhängigen psychischen Mechanismus zu geben, der Menschen unterschiedlichster Herkunft auf bestimmte Landschaften identisch reagieren lässt.
 
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