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Innere Landschaften (2/3)

Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen kulturübergreifend parkähnliche Landschaften mit Flüssen, Seen, Baumgruppen und Wiesen als angenehm empfinden. Ein schroffes, wildes Bergpanorama wühlt uns emotional auf, Waldlichtungen stimmen uns sanft, und der Anblick zersiedelter Ballungsräume deprimiert uns. Selbst Personen, die noch nie eine Steppenlandschaft gesehen hatten, reagierten in einem Test mit erhöhten Alphawellen, einer Gehirnfrequenz, die einen entspannten Zustand signalisiert. Man vermutet, dass der beruhigende Einfluss von Wiesen- und Steppenlandschaften Teil unseres evolutionären Erbes ist. Unsere Reaktion auf verschiedene Landschaften ist jedoch zum größten Teil ein kulturelles Erbe und das Ergebnis eines Lernprozesses.

Wälder gelten insbesondere in Deutschland als mythenumwobener Raum. Dies war nicht immer so - früher fürchteten sich die Menschen vor dem Wald ("im Wald da sind die Räuber", der finstere Wald, in dem sich Hänsel und Gretel verirren). Das Schönheitsideal hat sich verändert - und wird sich weiter verändern. Unsere Begeisterung für die Natur wurde erst dadurch möglich, dass diese inzwischen fast überall vom Menschen beherrscht wird, ihre Bedrohlichkeit also verloren hat. Der moderne Stadtmensch ist von der ursprünglichen Natur entfremdet. Für ihn ist unverfälschte Natur beinahe etwas Exotisches, und er ist bereit viel Geld dafür auszugeben und lange Strecken zu reisen, um das zu finden, was er in seiner unmittelbaren städtischen Umgebung nicht findet: Entspannung und Erholung. Dass er hierbei die Zerstörung mit ins Paradies bringt, nimmt der Reisende billigend in Kauf. Die Folge: mittlerweile sind die unberührten Flecken weltweit nahezu ausverkauft und ebenso zersiedelt und überlaufen wie die Stadtlandschaften, aus denen die Erholungssuchenden stammen. Bestenfalls die Errichtung von Nationalparks schützt die Natur vielerorts vor ihrer endgültigen Zerstörung. Die Natur braucht uns Menschen nicht - aber wir brauchen die Natur. Versuche haben gezeigt, dass Menschen in Krankenzimmern mit Blick ins Grüne schneller genesen als anderswo.

 
 
 
 
   
Doch wann empfinden wir eine Landschaft als besonders reizvoll?
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