|
Untersuchungen
haben gezeigt, dass Menschen kulturübergreifend
parkähnliche Landschaften mit Flüssen, Seen,
Baumgruppen und Wiesen als angenehm empfinden. Ein schroffes,
wildes Bergpanorama wühlt uns emotional auf, Waldlichtungen
stimmen uns sanft, und der Anblick zersiedelter Ballungsräume
deprimiert uns. Selbst Personen, die noch nie eine Steppenlandschaft
gesehen hatten, reagierten in einem Test mit erhöhten
Alphawellen, einer Gehirnfrequenz, die einen entspannten
Zustand signalisiert. Man vermutet, dass der beruhigende
Einfluss von Wiesen- und Steppenlandschaften Teil unseres
evolutionären Erbes ist. Unsere Reaktion auf verschiedene
Landschaften ist jedoch zum größten Teil
ein kulturelles Erbe und das Ergebnis eines Lernprozesses.
Wälder
gelten insbesondere in Deutschland als mythenumwobener
Raum. Dies war nicht immer so - früher fürchteten
sich die Menschen vor dem Wald ("im Wald da sind
die Räuber", der finstere Wald, in dem sich
Hänsel und Gretel verirren). Das Schönheitsideal
hat sich verändert - und wird sich weiter verändern.
Unsere Begeisterung für die Natur wurde erst dadurch
möglich, dass diese inzwischen fast überall
vom Menschen beherrscht wird, ihre Bedrohlichkeit also
verloren hat. Der moderne Stadtmensch ist von der ursprünglichen
Natur entfremdet. Für ihn ist unverfälschte
Natur beinahe etwas Exotisches, und er ist bereit viel
Geld dafür auszugeben und lange Strecken zu reisen,
um das zu finden, was er in seiner unmittelbaren städtischen
Umgebung nicht findet: Entspannung und Erholung. Dass
er hierbei die Zerstörung mit ins Paradies bringt,
nimmt der Reisende billigend in Kauf. Die Folge: mittlerweile
sind die unberührten Flecken weltweit nahezu ausverkauft
und ebenso zersiedelt und überlaufen wie die Stadtlandschaften,
aus denen die Erholungssuchenden stammen. Bestenfalls
die Errichtung von Nationalparks schützt die Natur
vielerorts vor ihrer endgültigen Zerstörung.
Die Natur braucht uns Menschen nicht - aber wir brauchen
die Natur. Versuche haben gezeigt, dass Menschen in
Krankenzimmern mit Blick ins Grüne schneller genesen
als anderswo.
|