| Das Pferd als
Persönlichkeitstrainer
"Wie
bitte?" - ein Pferd als Persönlichkeitstrainer, wie soll
das denn funktionieren???
Ich kann mir keine bessere Erziehung vorstellen, als den Umgang
mit Pferden.
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Als
ich meine erste Website entwarf, die manche vielleicht noch
kennen, versuchte ich mir klar zu werden, was mich als Person
eigentlich ausmacht - womit ich mich beschäftige und was mir
wichtig ist. Ein ganz wesentlicher Teil war hierbei das Reiten.
Doch irgendwie schien es nicht zu all den anderen Themen zu
passen. Einem Hobby eine ganze Sparte der Website zu widmen
- was sollten meine Besucher, von denen wohl die wenigsten
reiten, damit anfangen?
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| Foto:
W.&R. Mothes |
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Trotzdem,
Bauchgefühl, es schien mir wichtig. Jetzt, knapp ein Jahr später
weiß ich auch warum: Reiten war für mich immer Persönlichkeitsentwicklung
par excellence.
Ich
fing im Alter von 12 Jahren an regelmäßig zu reiten - und während
der Pubertät, in der Erwachsene wohl am wenigsten Chancen haben,
ihre Kinder zu erziehen, waren es die Pferde und der Reitunterricht,
die mich maßgeblich prägten.
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Die
Indianer ehrten das Pferd als heiliges Tier
Im
alten Nordeuropa und Britannien praktizierten einst magische
Bruderschaften einen Pferdekult mit den damit verbundenen
natürlichen und übernatürlichen Kräften.
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Als
Krafttier ist das Pferd vor allem ein Überbringer von
Botschaften und hat oft mit dem Überschreiten einer Schwelle
zu tun. Es wird mit Macht und Verantwortung, sowie mit Weisheit
und Ausgewogenheit bei der Ausübung von Autorität
assoziiert. Auf emotionaler Ebene verbindet es sich mit der
Notwendigkeit mitfühlenden Verstehens.
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| Das
Pferd wird vor allem mit der Kraft des Wissens und der Weisheit,
mit Kommunikation und Teilen mit anderen in Zusammenhang gebracht. |
Wer
sich für die Ausbildung in einer klassischen Reitschule entscheidet,
muß sich klar darüber sein, daß er nicht mit Samthandschuhen angefaßt
wird. Disziplin, Strenge und Gehorsam, wie sie auch in den Kampfkünsten
gefordert werden, sind an der Tagesordnung. Nur wer verantwortungsvoll
mit Pferden umgeht und zuverlässig ist, bekommt ein Pflegepferd.
Und 600 kg Pferd sind etwas anderes als ein Hamster oder ein Kaninchen.
Ein Pferd kann man nicht mit Kraft zum Gehorsam zwingen. Es ist
körperlich immer stärker.
Niederlagen
sind vorprogrammiert. Das Ego steht im kalten Regen, wenn das Pferd
partout nicht da hin geht, wo mensch es hinhaben möchte. Wenn es
zur Seite springt und mensch neben dem Sattel sitzt. Wenn es stehenbleibt,
um sich in einer Schlammpfütze zu wälzen... oder einfach nur am
Wegesrand steht und Gras frißt, während mensch gerne durchs Gelände
reiten würde.
Übrigens
- es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß mensch sich vom Pferd
durch die Gegend tragen lässt, und dabei gemütlich Sightseeing macht.
Reiten erfordert Aufmerksamkeit, und zwar nicht zu knapp. Wenn diese
Aufmerksamkeit fehlt, wird Reiten gefährlich.
Wer
im Sattel bleiben will, tut gut daran, zu denken und zu reagieren
wie ein Pferd. Und das möglichst schneller als der Vierbeiner unter
ihm. Je intelligenter und temperamentvoller das Pferd, desto aufmerksamer
muß mensch sein - und umso schneller sollte er reagieren können.
Im Umgang mit Pferden habe ich mein Durchsetzungsvermögen, mein
Selbstvertrauen und die realistische Einschätzung für die eigenen
Möglichkeiten entwickelt. Pferde waren mir immer ein guter Spiegel.
Gute
Reitlehrer geben ihren Schülern immer genau die Pferde, die sie
gerade brauchen. Ist ein Reitschüler eher schüchtern und zurückhaltend,
kann er von faulen und trägen Pferden lernen, wie er sich durchsetzt.
Ruhige und ausgeglichene Reitschüler werden gerne mit schreckhaften
und ängstlichen Pferden bedient - hier wirkt sich die Ruhe des Menschen
positiv auf die Tiere aus. Tragisch sind die Momente, wenn sich
grobe und draufgängerische Reiter auf höchst sensible Pferde setzen...
Ein
Pferd ist kein Auto - entweder Gas oder Bremse. Hier ist das "sowohl
als auch" gefragt.
Gutes Reiten ist die Ausgewogenheit zwischen Annehmen und Nachgeben
(der Zügel), zwischen Vorwärtsreiten und Zurücknehmen. Es ist ein
feiner, subtiler Dialog. Wahrnehmen, was ist - jetzt, in diesem
Moment - und der unmittelbaren Reaktion darauf. Etwas, das nicht
im Kopf passiert, sondern auf der Körperebene. Wenn dieser Dialog
funktioniert, wird die Übung des Reitens für Pferd und Reiter zu
einem sehr angenehmen, beglückenden Erlebnis. Der Weg dahin ist
Arbeit. Und sie hört nie auf.
Das,
was ich in vielen Jahren Reitunterricht erfahren habe, beschreibt
Susanne E. Schwaiger in ihrem Buch Der
Weg mit Pferden - Ein Weg zu mir. Hier einige Auszüge.
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