|
In Island ist es Brauch, sich
an der Haustür die Schuhe auszuziehen. Das hat einen
ganz einfachen Grund: Es regnet viel, asphaltierte Straßen
sind eher die Ausnahme, und wer von draußen kommt, hat
meistens ziemlich dreckige und zudem nasse Stiefel.
Die Welt mit ihren politischen
und wirtschaftlichen Krisen und ökologischen wie menschlichen
Tragödien ist (traurige) Realität. Die Medien und
auch das Web sind voll davon, und es gibt kaum jemanden, an
dem aktuelle Ereignisse spurlos vorübergehen. Sie sind
wie zäher, klebriger schwarzer Ruß, der sich auf
unserem Weg an unsere Schuhe heftet, und den wir überall
hin mitnehmen. Je mehr wir davon sammeln, desto düsterer
wird unser Bild von der Welt - und unsere Stimmung. Viele
Menschen sind hilflos und deprimiert, andere engagieren sich
in irgendwelchen Gruppen und sind eifrig darum bemüht,
die Welt zu verändern...
|
|
|
|
Es ist wichtig, dass es solche
Menschen gibt. Und es gibt vieles, was durch politische oder
andere äußere Aktivitäten verändert werden
kann. Parallel dazu gibt es den Spruch:
"Wenn jeder an sich selbst dächte, dann wäre
an alles gedacht". Er wird häufig als Egoismus mißinterpretiert.
Dieses "an sich selbst denken" oder "für
sich selbst sorgen" oder auch "Selbstverantwortung
übernehmen" ist jedoch eine schwierige und mitunter
unangenehme Aufgabe, denn es geht darum, den inneren Schweinehund
zu überwinden.
In meinen täglichen Handlungen kann ich in kleinen Schritten
das tun, was am Ende einer langen Kette von Ereignissen hoffentlich
positive Folgen haben wird. Dabei mache auch ich Fehler. Und
aus Fehlern kann "man" lernen. Wer sich berufen
fühlt, seine Aktivitäten in den Dienst einer Organisation
oder einer größeren Gruppierung zu stellen, der
mag das tun. Jeder Mensch
entscheidet für sich, wie sein ganz persönlicher
Weg aussehen soll. Doch er kann keinem anderen vorschreiben,
wie dessen Weg denn auszusehen habe.
Leider erlebe ich gerade bei Menschen, die angeblich die Welt
verbessern wollen, und sich für mehr Toleranz und Frieden
einsetzen, ein recht hohes Maß an Intoleranz gegenüber
allen, die nicht ihrer Meinung sind. Das macht mich sehr nachdenklich.
Wenn ich mir das Internet als
die "Welt" vorstelle, dann sind die Websites die
Häuser. Jedes Haus hat einen anderen Zweck - Geschäfte,
Information, Amüsement, Inspiration...
betrachtenswert ist ein
Haus im Web, das ruhig als Oase angesehen werden darf. Ein
"Erholungsraum", wo man sich von "der Welt
da draußen" mal eine Auszeit nehmen darf - um auf
andere und hoffentlich positivere Gedanken zu kommen.
Es ist auch ein Raum, in dem immer wieder die Aufforderung
kommt, nach innen zu schauen, und den Fokus mal eine Weile
von der "Welt da draußen" in die "Welt
da drinnen" zu richten - um dabei vielleicht die Entdeckung
zu machen, dass die Welt da draußen ein Spiegelbild
dessen ist, was da drinnen stattfindet. Das Innen und das
Außen bedingen sich wechselseitig.
Deshalb die Einladung
und die Bitte: wer dieses Haus betritt, zum Beispiel über
die Diskussionsliste,
möge seine Schuhe vor der Tür stehenlassen oder
sie wenigstens im Geiste saubermachen. Dadurch wird der zähe
Ruß in der Welt noch nicht weniger - aber zumindest
fangen wir an Einfluß darauf zu nehmen, wo wir ihn haben
wollen und wo nicht.
|